Pubblicato: 28 febbraio 2010 alle 20:07
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“Xynthia” tobt sich über Deutschland aus

Umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen, ausgefallene Züge, gestrichene Flüge: Das gigantische Sturmtief “Xynthia” fegt über Deutschland hinweg und sorgt für chaotische Verkehrsverhältnisse. In NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ging auf den Schienen gar nichts mehr. In der Nacht soll “Xynthia” aber an Kraft verlieren.Frankfurt/Main – In der Bankenmetropole Frankfurt sorgten am Sonntag ausnahmsweise keine lukrativen Geschäfte für Gesprächsstoff, sondern es war ein Sturmtief namens “Xynthia”, das alles durcheinanderwirbelte. Auf den Autobahnen, in der Luft und auf der Schiene geschah über Stunden hinweg sehr wenig.

In den Hochhausschluchten der Bankenmetropole wurden Passanten umgefegt, andere klammerten sich an Laternen fest. Dixieklos, Verkehrsschilder, Mülltonnen, Werbeplakate, Absperrgitter, sowie Rollsplitt und Zweige, flogen durch die Gegend. “Ich habe noch nie so viele abgeknickte Äste in Frankfurt gesehen”, sagte eine Polizeisprecherin.

Orkanböen von bis zu 115 Stundenkilometern brausten durch die fünftgrößte deutsche Stadt. “In den Häuserschluchten, wo Düseneffekte auftreten, kann es noch mehr gewesen sein”, sagte Meteorologe Dietrich Meyer vom Deutschen Wetterdienst. “Ein solcher Sturm ist in Frankfurt außerordentlich selten.”

Lebensgefahr wegen umherfliegender Äste

Meteorologen und Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) hatten die Bürger davor gewarnt, in den Wald zu gehen. Wegen der umherfliegenden Äste bestehe Lebensgefahr. Die Polizei sperrte vorsorglich auch Parks und Friedhöfe und rückte bis zum Nachmittag mehr als 200 Mal aus. Straßen wurden gesperrt, Dächer abgedeckt und die Oberleitung einer Straßenbahn von einem umgestürzten Baum getroffen.

Ein 69-jähriger Wanderer wurde im Taunus von einem Baum erschlagen, in Pulheim (NRW) starb eine Joggerin, im Schwarzwald ein Autofahrer und in Ascheberg bei Münster eine 70-Jährige, als ein Baum auf ihren Wagen fiel.

Am Frankfurter Flughafen fielen bis zum Nachmittag rund 227 Starts und Landungen aus, jeder sechste Flug wurde abgesagt. Die anderen Maschinen waren ein bis zwei Stunden verspätet, weil sie bei Sturm nicht so schnell hintereinander landen können wie üblich. Die zentrale Autobahn Würzburg-Köln (A 3) wurde am Flughafen für mehrere Stunden komplett gesperrt, weil von einer Baustelle Fassadenteile, Baumaterialien und Werbeplakate auf die viel befahrene Straße geweht worden waren.

Glasfassaden drohten herunterzustürzen

Der Fernbahnhof wurde vorsorglich dicht gemacht, weil Glasfassaden von der Airrail-Center-Baustelle – einem Hotel-, Einkaufs- und Bürokomplex – herunterzustürzen drohten, wie ein Bahn-Sprecher sagte. Das rund 660 Meter lange und neun Etagen hohe Gebäude wird über dem Fernbahnhof gebaut. Der Verkehr konnte über den Regionalbahnhof umgeleitet werden.

Anders am Frankfurter Hauptbahnhof. Ab etwa 14 Uhr konnten wegen Sturmschäden keine Züge mehr hinein- oder hinausfahren. “Witterungsbedingte Störung. Es kommt zu hohen Verspätungen und Zugausfällen”, war auf den Anzeigetafeln des zentralen Umsteigebahnhofs Deutschlands zu lesen. “Ich weiß auch nicht, ob der Zug nur verspätet ist oder ganz ausfällt. Das weiß heute kein Mensch”, antwortete ein Zugbegleiter der Deutschen Bahn auf die Frage eines Reisenden, ob sein Zug nach Konstanz denn wirklich nur 60 Minuten verspätet sei.

“So einen Sturm hier unten in Frankfurt zu haben, ist schon sehr ungewöhnlich. Das war so deutlich gar nicht angesagt”, sagte Manfred Oehmichen. Er wartete auf seinen Zug nach Hamburg, für den bereits 80 Minuten Verspätung angezeigt wurden. “Ich bin Rentner, da ist das nicht so gravierend. Aber mit meinem Anschlusszug nach Lübeck wird das dann nichts, und so so schön ist das ja hier auch nicht auf dem Bahnhof bei dem Wind.”

“Fußball sehen”

Die DJs Serhat und Matthias von Syke’N’ Sugarstarr, die nach einem Konzert in Wiesbaden auf dem Rückweg nach Hamburg waren, konnten der Verspätung wenigstens eins abgewinnen: “Da können wir hier am Bahnhof noch Fußball sehen: HSV gegen Bayern.”

Auch in NRW schauten die Bahnkunden in die Röhre. Dort wurde der gesamte Zugverkehr vorläufig eingestellt – sowohl der Regional- als auch der Fernverkehr, sagte ein Sprecher der Bahn am Sonntagabend. Die Züge führen zum Teil noch bis an ihr Ziel, es würden aber keine neuen mehr eingesetzt. Man wolle einfach kein Risiko eingehen, sagte der Sprecher. Wie lang die Unterbrechung dauern werde, war zunächst nicht abzusehen.

Zuvor war der Zugverkehr bereits im Saarland komplett und in Rheinland-Pfalz teilweise gestoppt worden. Auch in Baden-Württemberg waren viele Bahnstrecken unterbrochen.

Nach Auskunft des Wetterdienstes Meteomedia wird der Sturm am Abend über die Mitte des Landes nach Sachsen-Anhalt, Thüringen und dann weiter nach Osten ziehen. Dabei verringerten sich die Windgeschwindigkeiten auf etwa 100 Kilometer in der Stunde, gleichzeitig sinke die Gefahr von Orkanböen, sagte Meteorologe Nils Dick SPIEGEL ONLINE: “Das ist aber noch keine vollständige Entwarnung.” Es sei weiterhin schwere Stürme möglich. Im Norden werde es am Montag dann wechselhaft und windig, während es im Süden des Landes trocken bleibe.

Mindestens 45 Tote in Frankreich

In Frankreich hatte “Xynthia” zuvor mindestens 50 Menschenleben gefordert. Die meisten Opfer ertranken nach Angaben der Behörden bei Überschwemmungen an der Atlantikküste, allein im Département Vendée gab es 29 Tote.

Ein junger Mann wurde in den Pyrenäen von einem abstürzenden Ast erschlagen. Eine 78-Jährige im Burgund wurde von einem Eisenträger tödlich verletzt. Zwei Menschen erlagen einer Gasvergiftung, als sie wegen des Stromausfalls einen Generator in Betrieb nahmen. Zeitweise waren etwa eine Million Haushalte ohne Strom.

Am Sonntagnachmittag war der Sturm aber in großen Teilen Frankreichs abgeflaut, weil Tief “Xynthia” nach Deutschland weitergezogen war.

DER SPIEGEL

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